Zofia Zurman
Geb. am 21.Juli 1928 in Poznań (Posen). Ihre Kindheit verbrachte sie in Drawsko (Dratzig), ihr Vater war Schneider, die Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Vor Kriegsausbruch ging Zofia Zurman in die Allgemeinschule in Drawsko (Dratzig) . 1943 wurde sie zur Arbeit nach Starnberg bei München in Deutschland geschickt, wo sie im Restaurant und in einer Konditorei arbeitete. Sie kam 1944 zurück nach Hause, und arbeitete bis zum Ende der Besatzung als Kindermädchen bei einer deutschen Familie in Drawsko (Dratzig). Im Oktober 1945 zogen die Eltern von Zofia Zurman nach Krzyż (Kreuz), wo sie von der Gemeinde eine Wohnung zugeteilt bekamen. Zofia Zurman arbeitete bei der staatlichen Busgesellschaft sowie bei Centrostal. Bis heute wohnt sie in dem Gebäude, in das ihre Eltern 1945 gezogen waren.

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Auszüge zum Lesen

Polnische Zwangsarbeiter in Kreuz während des Krieges

Während des Krieges gingen wir immer nach Kreuz. Die Eltern mussten einen Passierschein haben und wir gingen da einfach so hin, um Petroleum zu holen oder was anderes. Mein Vater war Schneider, da hatte ich so ein Geschäft in Kreuz ausgewählt, wo es so Seide gab, Tücher, so was, da bin ich immer hingegangen und sagte: „Gute Frau, würden Sie mir nicht Zwirn geben, denn mein Vater ist Schneider und würde es zum Schneidern brauchen.“ Immer hat die Deutsche mir’s gegeben! Einmal gab sie mir weißes, ein anderes Mal schwarzes… Und mein Vater hat später auch hier in Kreuz gearbeitet. Vor der Post ist so ein kleines Haus, da in der Mitte, wo das neugebaute ist, da wohnte so ein Hödke und er hat Vater eingestellt, und Vater arbeitete. Denn obwohl er schneidern wollte, waren doch Zwirn, alles nur auf Karte, nichts konnte er bekommen, also hat er während der Besatzung hier in Kreuz gearbeitet. Sie haben ihn dafür bezahlt, das waren sogar gute Leute. Ich kam hier oft zu Papa, da hat die Frau Tee gemacht, gab irgendwelche Kekse oder irgendwelches Gebäck, denn sie konnten, hatten mehr, bei uns gab’s das nicht.

Gründe für die Ausreise in die „Wiedergewonnenen Gebiet” und der Weg nach Krzyż

In unserem Haus in Drawsko (Drahzig) heiratete die Tochter des Bauern und sie wollte diese Wohnung. Und dort in Drawsko konnten sie nirgends eine Wohnung für sich finden. Und hier war so ein Herr Lala aus Drawsko und er verwaltete hier in der Gemeinde die Wohnungen. Wir hätten doch eher hierher kommen können, wir konnten uns doch irgendwo irgendein Haus nehmen! Wenn Vater sagte – er war sehr ordentlich, er wollte keinen Fremden. Er sagte: „Erinnert ihr euch, als euch die Deutschen rausgeworfen haben, wie ihr geweint habt? Und jetzt soll ich an einen fremden Ort gehen?“ Und erst später gaben sie uns hier diese Wohnung, in zwei Wochen zog Vater ein und wir wohnten da im Erdgeschoss.

Kontakt mit der deutschen Bevölkerung

1945 blieben hier nur noch einige Deutsche. Und es war nicht gut, denn sie haben sie hier schlecht behandelt. Hier war so Krieger, Arzt bei der Bahn, Krieger. Er war ein sehr guter Arzt für die Polen. Wenn ein Pole kam und sagte: „Herr Doktor, ich brauche drei Tage frei“, dann hat er ihn krankgeschrieben. Er hatte kein separates Wartezimmer. Denn es gab auch so einen Schumann, bei der Bahnkirche, der hatte ein Wartezimmer „für Polen“ und eines „für Deutsche“. Aber der nicht. Und er wusste, dass die Polen ihm nichts tun. Sie kamen hierher gefahren und blieben. Die Russen haben seine Frau vergewaltigt, sein Zimmermädchen haben sie vergewaltigt. Und dieser Arzt nahm alle, und sie haben sich vergiftet. Sie nahmen Gift und sie lagen alle, denn er konnte das nicht mit ansehen.

Sowjetische Soldaten und die sowjetischen Militärbehörden

Die Russen haben in Drawsko (Drahzig) nichts angerichtet, denn sie wussten, dass das polnisch ist. Und hier – sie sagten, das ist deutsch. Aber wenn es so sein sollte, dass die Grenze sein sollte, dass das unser sein sollte, dann hätten sie das nicht tun sollen. Aber sie brandschatzten, nur Schutt haben wir bekommen. Ich erinnere mich, dass gleich hier vor der Brücke, wenn man aus Krzyż (Kreuz) rechts reinfährt, wenn man hier zu Centrosal fährt, war so ein langes Haus. Ich ging aus der einen Seite rein, da brannte es schon, aber von der anderen Seite war es noch ganz. Diese Randsiedlungen, die nicht, aber hier die Hauptstraßen, da brandschatzten sie.

Sowjetische Soldaten und die sowjetischen Militärbehörden

Es gab solche, die mussten im russischen Militär sein, aber waren polnischer Herkunft oder so ähnlich. Denn ich erinnere mich, meine Tante fuhr irgendwohin nach Szamotuły (Samter), um Spiritus für die Hochzeit der Cousine Jadzia zu holen. Und die Mädchen waren allein. Und hinein fuhr – sie hatten einen großen Hof – hinein fuhr so ein Auto auf ihren Hof und machte es sich bequem. Und da waren damals vier Mädels, nein fünf. Sie hatten große Angst, dass diese Russen zufällig anfangen ihnen nachzustellen. Und da riefen sie meinen Vater, und der Verlobte von Jadzia, Ed, war da auch – aber sie waren sehr höflich. Sie wollten auf diesen Autos schlafen, auf diesem Hof und sie gaben ihnen Federbetten, Zimmer auf der anderen Seite des Hauses gaben sie ihnen. Diese Soldaten hießen Piotr und Michał. Und sie sprachen sehr schönes Polnisch. Die Eltern müssen wohl einst in Russland gewesen sein, Sie wissen ja, wie das damals war, vielleicht waren die Eltern in der Verbannung? Sie waren sehr höflich. Sie haben ihnen noch so verschiedene Sachen, die sie vom Militär hatten, da gelassen, verschiedene solche Dosen für diese Hochzeit, sie waren toll die beiden. Und Papa ging da hin, Zosia ging, und sagt: „Komm Onkel, denn hier sind die Russen gekommen, wir haben Angst, damit sie uns nicht zufällig nachstellen, damit sie uns nichts tun.“ Papa ging noch Ed holen, aber sie nicht, sie waren sehr höflich.